EU-weiter geschlechtsspezifischer Lohnunterschied, aber slowenische und polnische Frauen gehen mit gutem Beispiel voraus - 02-11-2016

In der EU sind geschlechtsspezifische Lohnunterschiede, d. h. geringere Löhne für Frauen, die eine gleichwertige Tätigkeit ausüben wie ihre männlichen Kollegen, weit verbreitet. In allen EU-Mitgliedstaaten können derartige Unterschiede festgestellt werden, angefangen bei einem niedrigen 1%igen Durchschnitt im Balkanstaat Slowenien, bis hin zu beeindruckenden 28 % im Balkanstaat Estland. In den größten Wirtschaften der EU, wie Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich, liegt der geschlechtsspezifische Lohnunterschied bei jeweils 22 %, 20 % und 16 %. Generell situiert sich der geschlechtsspezifische Lohnunterschied zwischen 10 % und 20 %. Dasselbe Muster kann man bei Prämien und Zulagen beobachtet werden, die zum Nettogehalt von Angestellten hinzukommen. Auf der europäischen Karte gibt es jedoch auch ein paar Lichtblicke für Frauen.

An der Spitze steht Slowenien. Hier kommt es generell nur kaum zu einer geschlechtsspezifischen Diskriminierung (durchschnittlich 1 %) und in puncto Prämien und Zulagen ziehen die Frauen sogar an den Männern vorbei. Frauen werden hier besser für Überstunden bezahlt, es werden ihnen mehr Auslagen rückerstattet, sie bekommen höhere Jahresprämien und mehr Urlaubsgeld. Zudem beteiligen sich die slowenischen Frauen vermehrt an Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie Krankenversicherung und Altersvorsorge als die slowenischen Männer. Der einzige andere EU-Mitgliedstaat, in dem Frauen eine scheinbar ebenso starke Verhandlungsposition zu haben scheinen, ist Polen. Zwar zeichnet sich hier noch stets ein geschlechtsspezifischer Lohunterschied in Höhe von 5 % zugunsten der Männer ab (was nach europäischem Maßstab relativ gering ist), in Bezug auf Zusatzleistungen erzielen die Frauen hier jedoch bessere Ergebnisse in den Bereichen leistungsorientierte Vergütung, Rückerstattung von Auslagen, Prämien und Zusatzleistungen. Polnische Männer wiederum beteiligen sich häufig auch an Krankenversicherungs- und Altersvorsorgeprogrammen.

Die Situation der großen Industrieländer Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, wo Frauen hinsichtlich von Prämien und Zulagen weit zurückliegen, wiederholt sich in Italien, Spanien, Portugal, Belgien, den Niederlanden, Irland, den skandinavischen Ländern und den mitteleuropäischen Ländern Österreich, Ungarn und Rumänien. Somit liegen Frauen in Bezug auf eine oder mehrere der untersuchten Leistung/en nur in wenigen Ländern vor den Männern (siehe untenstehende Tabelle).

Gleichberechtigung scheint am häufigsten im Bereich Kinderbetreuung zu bestehen. Offensichtlich gibt es hier nur sehr geringe geschlechtsspezifische Unterschiede. Basierend auf dieser statistischen Tatsache sowie den guten Ergebnissen slowenischer und polnischer Frauen auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt, könnten geschlechtsspezifische Lohnunterschiede möglicherweise durch eine förderliche Mischung aus nationalen politischen Maßnahmen und persönlichen Verhandlungsqualitäten reduziert werden.

Bericht: "Analysis of the gender pay-gap in monetary and non monetary allowances and bonuses" (Analyse von geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden im Bereich finanzielle und nicht-finanzielle Zusatzleistungen)

Datum: 17. Oktober 2016

Worum handelt es sich beim WITA-Gender-Pay-Gap-Projekt?

WITA GPG ("With Innovative Tools Against Gender Pay Gap" – mit innovativen Mitteln gegen den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied, Januar 2015 - Dezember 2016) möchte wirkungsvoll dazu beitragen, den großen und andauernden Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern zu schließen. Dies wird durch EU-Mittel in Form eines sogenannten PROGRESS-Programms mit der Bezeichnung Action Grant Nr. 4000004929 ermöglicht. Eine der Aktivitäten ist der Vergleich zwischen den Löhnen und Gehältern von Männern und Frauen auf der Ebene der Berufsgruppen und die Veröffentlichung der Ergebnisse auf den nationalen WageIndicator-Webseiten aller 28 EU-Mitgliedsstaaten und der Türkei, sowie die Verbreitung durch Pressemitteilungen.

Weitere Informationen zum WITA-Projekt finden Sie unter

Weitere Informationen zu geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden in Deutschland finden Sie unter WageIndicator.de

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