Sexuelle Belästigung? Was ist unsere Rolle?

Wie können Arbeitgeber Vorkehrungen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz treffen?

Jeder Arbeitgeber (unabhängig von der Größe) sollte einen Arbeitsplatz schaffen, der frei von sexueller Belästigung ist. In einigen Ländern ist dies gesetzlich vorgeschrieben, aber in jedem Fall ist es wirtschaftlich sinnvoll. Wenn sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Erfolg hat, ist der zu zahlende Preis eine schlechte Arbeitsmoral, niedrige Produktivität und zu erwartende Klagen. Darüber hinaus kann in einigen Ländern der Arbeitgeber dafür haftbar gemacht werden, wenn sexuelle Belästigung stattfindet und der Arbeitgeber nicht alle angemessenen Maßnahmen ergriffen hat, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu verhindern.

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die das Risiko sexueller Belästigung am Arbeitsplatz verringern können. Dies sind einige empfohlene Maßnahmen:

A. Führen Sie eine eindeutige Strategie gegen sexuelle Belästigung ein:

Ein Mitarbeiterhandbuch sollte eine Strategie gegen sexuelle Belästigung enthalten. Die Strategie kann auf den Gesetzen des jeweiligens Landes basieren oder nach globalen Richtlinien verfasst sein. Diese Strategie sollte:

  • Sexuelle Belästigung definieren
  • Eindeutig darlegen, dass sexuelle Belästigung nicht toleriert wird
  • Konstatieren, dass Übeltäter bestraft oder entlassen werden
  • Eine klare Vorgehensweise im Falle von Beschwerden wegen sexueller Belästigung formulieren
  • Festlegen, dass jede Beschwerde untersucht wird
  • Darlegen, dass es keine Toleranz von Vergeltungshandlungen gegen jemanden geben wird, der sich wegen sexueller Belästigung beschwert
  • Im Auge behalten, dass eine Strategie gegen sexuelle Belästigung alleine noch nicht genug ist - sie muss auch durch Kommunikations-, Bildungs- und Vollstreckungsmaßnahmen umgesetzt werden. Siehe weiter unten in diesem Abschitt ein Beispiel einer Strategie gegen sexuelle Belästigung.

B. Praktische Schritte am Arbeitsplatz:

  • Ausbildung von Mitarbeitern: Veranstalten Sie regelmäßige Schulungen für Mitarbeiter. In diesen Sitzungen sollten Mitarbeiter lernen, was sexuelle Belästigung ist, erklären, dass Mitarbeiter das Recht auf einen Arbeitsplatz frei von sexueller Belästigung haben, das Verfahren im Falle einer Beschwerde vorstellen, und Mitarbeiter ermutigen es in Anspruch zu nehmen.
  • Ausbildung von Vorgesetzten und Managern: Führen Sie regelmäßige Schulungen für Vorgesetzte und Manager durch, die von den Sitzungen für Mitarbeiter getrennt sind. In den Schulungen sollten Manager und Vorgesetzte etwas über sexuelle Belästigung und darüber, wie mit Beschwerden umzugehen ist, lernen.
  • Werfen Sie ein Auge auf die Arbeitsumgebung: Arbeitgeber (und Vorgesetzte und Führungskräfte) sollten sich in regelmäßigen Abständen mit Mitarbeitern austauschen. Sie sollten mit ihnen über die Arbeitsumgebung sprechen und nach anstößigen Postern oder anderen Materialien Ausschau halten. Kommunikationskanäle sollten offen gehalten werden.
  • Nehmen Sie alle Beschwerden ernst: Wenn sich jemand über sexuelle Belästigung beschwert, sollte die Beschwerde sofort überprüft werden. Wenn sich die Beschwerde als berechtigt erweist, sollte die Reaktion darauf schnell und effektiv sein.

Was können Mitarbeiter/Arbeiter tun, um sexuelle Belästigung zu verhindern?

Mitarbeiter/Arbeiter können:

  • Darauf bestehen, dass ihr Arbeitsplatz eine Strategie gegen sexuelle Belästigung hat
  • Sicherstellen, dass sie wissen, was die Strategie gegen sexuelle Belästigung ihrer Firma beinhaltet
  • Darauf achten, dass die Strategie allen bekannt ist und von Mitarbeitern, Managern und Vorgesetzten verstanden wird
  • Falls erforderlich, Sitzungen organisieren, in denen die Strategie erklärt und unter Kollegen diskutiert wird
  • Sicherstellen, dass das Meldeverfahren für sexuelle Belästigung angemessen ist
  • Fälle von sexueller Belästigung berichten.

Was kann ich tun, wenn ich sexuell belästigt werde?

Manchmal kann sexuelle Belästigung verwirrend oder beängstigend sein. Vielleicht wissen Sie nicht, welche Schritte Sie einleiten können, um sie zu stoppen oder zu melden. Vielleicht sorgen Sie sich über Ihre Sicherheit am Arbeitsplatz. Oder darüber, was Ihre Kollegen sagen. Dies sind häufige Reaktionen. Ob Sie kontinuierlich über einen Zeitraum belästigt wurden oder eine kurze, schockierende Form von sexueller Belästigung erlebt haben, beides ist gleichsam unangenehm. Wichtig ist, dass Sie das Recht haben, in einer Umgebung zu arbeiten, in der dies NICHT vorkommt.

Einige Richtlinien:

Wenn der Täter keine Ahnung zu haben scheint, dass das, was er/sie getan hat unangebracht oder unerwünscht ist, können Sie dies ansprechen und ihn/sie wissen lassen, was Sie an seinem/ihrem Verhalten nicht mögen. Sie können dies in Form einer Warnung tun, bevor Sie andere Maßnahmen ergreifen. Sie können auch einen Kollegen oder Vorgesetzten bitten, gemeinsam mit Ihnen und dem Täter zu sprechen oder auch in Ihrem Namen zu sprechen. Das ist Ihre Wahl. Täter haben dann keine Ausrede, wenn sie ihr unangebrachtes Verhalten fortsetzen.

Wenn sexuelle Belästigung stattgefunden hat und Ihr Arbeitsplatz eine Strategie gegen sexuelle Belästigung hat, stellen Sie sicher, dass Sie nach den Richtlinien für die Berichterstattung und/oder den Umgang mit der Belästigung handeln. Achten Sie darauf, die richtigen Leute anzusprechen, die Sie in diesem Prozess unterstützen können.

Achten Sie darauf, so viele Details wie möglich (Zeit, Ort, usw.) und gegebenenfalls Zeugen oder Beweise (unangemessene Bilder etc.) zu sammeln.

Wenn Ihr Unternehmen nicht über Richtlinien bezüglich des Vorgehens im Falle sexueller Belästigung verfügt, sollten Sie Ihre Beschwerde an Ihren unmittelbaren Vorgesetzten richten. Wenn Ihr Vorgesetzter derjenige ist, der die Belästigung begeht, richten Sie Ihre Beschwerde an den unmittelbaren Vorgesetzten ihres Vorgesetzten. Es ist wichtig sicherzustellen, dass sich die Unternehmensleitung der Belästigung bewusst ist.

Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, einen sicheren Arbeitsplatz zu schaffen. Wenn Vergeltung an Ihnen verübt wird oder Sie weiter belästigt werden, melden Sie es dies erneut.

Wenn Ihr Arbeitgeber Ihren Fall nicht zufriedenstellend behandelt, können Sie die Angelegenheit auch außerhalb des Arbeitsplatzes verfolgen, durch eine formelle strafrechtliche oder zivilrechtliche Klage gegen den Täter.

Das Gleiche gilt, wenn Sie selbständig sind und zum Beispiel von einem Klienten oder Kunden sexuell belästigt wurden. Sie können eine formale Straf- oder Zivilklage gegen den Täter stellen.

Sie können auch die Hilfe einer Gewerkschaft suchen, wenn Sie Gewekschaftsmitglied sind.

Wenn Sie in einem Land sind, in dem es die Gesetze erlauben, können Sie eine Zivilklage aufgrund von durch sexuelle Belästigung erlittenen Verletzungen erheben. Dies müssen keine physischen Verletzungen sein. Die häufigsten Verletzungen im Falle von sexueller Belästigung sind emotionale Schäden, die das Opfer davonträgt.

Wenn Ihre Klage wegen sexueller Belästigung erfolgreich ist, kann Ihre Entschädigung das Folgende umfassen:

  • Wiedereinstellung, wenn Sie Ihren Job verloren haben
  • Nachträgliche Geldzahlungen, wenn Sie Geld verloren oder eine Gehaltserhöhung verpasst haben
  • Verlorene Lohnnebenleistungen
  • Schadenersatz für seelisches Leid
  • Die Anforderung, dass Ihr Arbeitgeber Richtlinien erstellt oder Schulungen durchführt, um Belästigung zu stoppen
  • Ihre Anwalts- und Gerichtskosten

Was können Freunde, Familie und andere tun, um in der Situation zu helfen?

Es ist manchmal schwierig, Freunden und sogar der Familie und anderen geliebten Menschen, von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu berichten. In einigen Fällen kommt es zu einer starken Stigmatisierung ( "sie hat doch danach gefragt"), während sich Opfer in anderen Fällen emotional und physisch zerstört fühlen (viele Fälle von Vergewaltigung werden im Rahmen von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gemeldet).

Es ist jedoch wichtig, das Gefühl zu haben, das es einen Raum gibt, in dem man über die eigene Erfahrung sprechen und wenn nötig weitere Informationen und dringend benötigte emotionale und praktische Unterstützung erhalten kann.

Einige Frauenzentren und Organisationen, die sich um Vergewaltigungsopfer kümmern, bieten solch einen Service an. Beratung und Therapiesitzungen sind ebenfalls sehr hilfreich.

Wenn es möglich ist, lassen Sie Ihre Familie und Freunde wissen, wie Sie sich fühlen. Behalten Sie ihre Gefühle nicht für sich.

Es kann dauern, sich von sexueller Belästigung zu erholen. Seien Sie geduldig mit sich selbst und lassen sie sich beraten und helfen, wenn Sie es brauchen.

Wenn Sie wissen, dass jemand ein Opfer sexueller Belästigung geworden ist, versuchen Sie, so unterstützend wie möglich zu sein. Hören Sie zu. Finden Sie heraus, welche Möglichkeiten dem Opfer zur Verfügung stehen. Machen Sie sich bewusst, dass die Person einer gänzlich unerwünschten, verstörenden und potenziell gefährlichen Erfahrung in einem Raum ausgesetzt war, in dem sie das Recht hat geschützt zu sein. Lassen Sie sie wissen, dass sie sie unterstützen.

Seien Sie vorbereitet

Selbstverständlich ist es nicht möglich, zu wissen, wann oder wo sexuelle Belästigung bei der Arbeit vorkommen könnte - alle Situationen sind unterschiedlich. Man kann jedoch versuchen, auf der Hut zu sein und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Leider gibt es keinen hunderprozentig sicheren Weg, sexuelle Belästigung zu verhindern - aber man kann vorsichtig sein. Wenn Sie sich in einer Situation widerfinden, in der Sie unter Druck gesetzt werden, denken Sie daran, dass es nicht Ihre Schuld ist. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen, die Situation heil zu überstehen:

Tipps: Bei der Arbeit

Konfrontieren Sie den Täter bei den ersten Anzeichen einer Belästigung.

"Es ist mir unangenehm, wenn Sie _. " Kurze, direkte Sätze und Beispiele aus der Praxis funktionieren am besten.

Wenn Ihnen das Verhalten einer Person verdächtig vorkommt, führen Sie ein detailiertes Tagebuch der Vorfälle. Wenn Sie sich unwohl fühlen, stimmt etwas nicht. Wenn das Verhalten anhält, melden Sie es.

Wenn Sie unzufrieden mit dem Verhalten eines Arbeitskollegen/Arbeitgebers/Auftraggebers/usw. sind, versuchen Sie, nicht allein in einem Raum mit dieser Person zu sein. Falls erforderlich, bringen Sie einen oder zwei Kollegen mit.

Wenn Sie sich in einer bestimmten Situation nicht wohl fühlen, denken Sie sich eine Ausrede aus und gehen Sie. Alternativ bitten Sie einen Kollegen, Sie in der Situation zu unterstüzen.

Wenn Sie sich durch eine möglicherweise gefährliche Situation bedroht fühlen, zögern Sie nicht um Hilfe zu bitten oder zu rufen - dies könnte die Situation drastisch ändern.

Tipps: Auf Reisen

Wenn Sie einen Kunden besuchen oder zu Arbeitszwecken reisen, stellen Sie sicher, dass Freunde oder Familie wissen, wohin und wie Sie reisen und wo Sie wohnen werden. Teilen Sie ihnen Ihre Reiseinformationen mit.

Achten Sie darauf, dass Ihre Familie Ihre Kontaktdaten hat und stellen Sie sicher, dass Ihr Mobiltelefon vollständig aufgeladen ist oder Ihnen eine andere Form der Kommunikation zugänglich ist.

Achten Sie darauf, Nachrichten zuverlässig und schnell versenden zu können.

Machen Sie sich mit dem Ort, zu dem Sie reisen vertraut (suchen Sie Informationen im Internet etc.).

Achten Sie darauf, den Ort leicht verlassen zu können und geeignete Verkehrsmittel zur Verfügung zu haben.

Wenn Sie weit weg von Ihrer Heimatstadt oder Ihrem Mutterland sind, informieren Sie sich über Notfallrufnummern, die Sie an Ihrem Aufenthaltsort eventuell gebrauchen könnten (zum Beispiel die Nummer der örtlichen Polizei).

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