In Deutschland nehmen die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede seit mehreren Jahren flächendeckend zu

In Deutschland sind die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede relativ groß, und das sowohl in Berufen mit einem niedrigen Qualifikationsniveau als auch in Berufen mit einem hohen Qualifikationsniveau. Hinzukommt, dass die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede tendenziell mit zunehmender Beschäftigungsdauer bzw. Berufserfahrung weiter steigen. Insbesondere im Bereich der hochqualifizierten Beschäftigungen, wie unter Naturwissenschaftlern, Mathematikern und Ingenieuren, Berufen aus dem sozialen und religiösen Bereich sowie Beschäftigungen mit einem mittleren Qualifikationsniveau, wie beispielsweise Bürokräften, sind die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede groß. Einzige Ausnahme unter den hochqualifizierten Berufen bilden Finanzexperten oder Softwareentwickler, wo die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede relativ gering sind.

In Deutschland verdienen Männer im Bereich Softwareentwicklung und Analyse 8,1 % mehr in der Kategorie mit einer Berufserfahrung zwischen 3 bis 5 Jahren. Es ist jedoch sehr interessant, dass in dieser Gruppe nach einer Berufserfahrung von 6 bis hin zu 11 Jahren die Löhne 5,6 % zugunsten der Frauen differieren. Dann wendet sich das Blatt jedoch wieder zugunsten der Männer, in der Gruppe mit einer Berufserfahrung von 11 oder mehr Jahren. Im Finanzbereich verdienen Männer in den Gruppen mit einer Berufserfahrung unter 3 Jahren, zwischen 3 und 5 Jahren und 6 bis 10 Jahren jeweils 7,2 %, 7,9 % und 8,9 % mehr als Frauen. Mit einer Berufserfahrung von 11 oder mehr Jahren verdienen Männer sogar 21,5 % mehr. Im Bereich der Beschäftigungen mit einer mittleren Qualifizierung sind die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede bei Berufen im Bereich personenbezogener Dienstleistungen und im Verkaufsbereich bei geringer Berufserfahrung unwesentlich, macht sich jedoch bemerkbar ab einer Berufserfahrung von 6 bis 10 Jahren sowie in der Gruppe mit 11 und mehr Jahren Berufserfahrung.

Männliche Naturwissenschaftler, Mathematiker und Ingenieure mit einer Berufserfahrung zwischen 3 und 5 Jahren bzw. 11 Jahren und mehr verdienen etwa 20 % mehr als Frauen. Ein ähnlicher geschlechtsspezifischer Lohnunterschied konnte unter männlichen und weiblichen Technikern im Bereich Physik und Ingenieurswesen festgestellt werden (etwa 20 % für die unterschiedlichen Berufserfahrungsgruppen). Auch im Bereich der sozialen und religiösen Berufe verdienen männliche Beschäftigte mit 6 bis 10 Jahren Berufserfahrung 19,9 % mehr als Frauen. Unter den Berufen mit einer mittleren Qualifikation, wie beispielsweise unter Bürokräften im Rechnungswesen beläuft sich der geschlechtsspezifische Lohnunterschied in der Gruppe mit 6 bis 10 Jahren Berufserfahrung auf 13,3 %. Der größte geschlechtsspezifische Lohnunterschied ist unter Betriebswirten und vergleichbaren akademischen Berufen in der Gruppe der Beschäftigten mit einer Berufserfahrung von 11 und mehr Jahren festzustellen, nämlich 33,3 %.

Wie kommt es zu diesem geschlechtsspezifischen Lohnunterschied?

Definiert wird der geschlechtsspezifische Lohnunterschied als ungleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit, die mit den gleichen Fähigkeiten und Qualifikationen ausgeübt wird. Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied resultiert aus Verhaltsnsmustern und Praktiken, die auf Geschlechtertrennung ausgerichtet sind. Diese Verhaltensmuster und Praktiken verstärken die bereits existierenden ungleichen Entwicklungschancen für Männer und Frauen sowie die ungerechtfertigten Entgelte innerhalb der Berufsgruppen und Berufe. Hinweis: Die unten dargestellten geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede gelten lediglich für die analysierten Beschäftigungen und Berufe.

Tabelle 1. Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied bei großen Berufsgruppen in Deutschland

Beruf Jahre Berufserfahrung Männer Frauen Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied
    Bruttodurchschnittslohn €/hr Bruttodurchschnittslohn €/hr % Unterschied
Ingenieure Weniger als 3 20.21 18.84 6.80%
  3-5 23.67 18.86 20.30%
  6-10 25.6 23.09 9.80%
  11 und mehr 28.87 23.14 19.80%
Software- und Anwendungsentwickler, Analysten Weniger als 3 17.16 16.82 2.00%
  3-5 19.84 18.23 8.10%
  6-10 22.41 23.67 -5.60%
  11 und mehr 27.49 25.66 6.70%
Techniker im Bereich Physik und Ingenieurswesen Weniger als 3 17.26 13.86 19.70%
  3-5 19.05 15.01 21.20%
  6-10 21.94 17.9 18.40%
  11 und mehr 23.09 17.53 24.10%
Bürokräfte im Rechnungswesen Weniger als 3 13.86 11.55 16.70%
  3-5 13.78 12.76 7.40%
  6-10 15.99 13.86 13.30%
  11 und mehr 19.92 16.17 18.80%
Beschäftigte im Bereich Materialbuchhaltung und Transport Weniger als 3 12.16 11.82 2.80%
  3-5 15.13 13.98 7.60%
  6-10 17.32 14.85 14.30%
  11 und mehr 18.15 17.24 5.00%
Berufe im sozialen und religiösen Bereich Weniger als 3 17.77 14.87 16.30%
  3-5 19.18 16.58 13.60%
  6-10 23.38 18.72 19.90%
  11 und mehr 23.96 19.21 19.80%
Berufe im Finanzbereich Weniger als 3 19.35 17.96 7.20%
  3-5 23.09 21.27 7.90%
  6-10 25.86 23.56 8.90%
  11 und mehr 31.82 24.97 21.50%
Betriebswirte und vergleichbare akademische Berufe Weniger als 3 14.37 12.41 13.60%
  3-5 16.95 14.52 14.30%
  6-10 19.05 15.57 18.30%
  11 und mehr 23.09 15.4 33.30%
Berufe im Bereich personenbezogene Dienstleistungen Weniger als 3 9.82 8.95 8.90%
  3-5 9.9 9.53 3.70%
  6-10 13.28 9.93 25.20%
  11 und mehr 13.63 10.1 25.90%
Berufe im Verkaufsbereich Weniger als 3 8.9 8.77 1.50%
  3-5 10.78 9.82 8.90%
  6-10 13.45 9.24 31.30%
  11 und mehr 12.77 10.97 14.10%

Quelle: 2014-2016 WageIndicator (Lohnanzeiger) Online-Webumfrage

Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied wurde ermittelt, indem die Differenz zwischen den geschlechtsspezifischen mittleren Bruttolöhnen durch den mittleren männlichen Bruttolohn dividiert wurde. Allen Berufsgruppen in der Tabelle liegen mindestens 10 weibliche und 10 männliche Antworten zugrunde.

Worum handelt es sich beim WITA-Gender-Pay-Gap-Projekt?

WITA GPG ("With Innovative Tools Against Gender Pay Gap" – mit innovativen Mitteln gegen den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied, Januar 2015 - Dezember 2016) möchte wirkungsvoll dazu beitragen, den großen und andauernden Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern zu schließen. Dies wird durch EU-Mittel in Form eines sogenannten PROGRESS-Programms mit der Bezeichnung Action Grant Nr. 4000004929 ermöglicht. Eine der Aktivitäten ist der Vergleich zwischen den Löhnen und Gehältern von Männern und Frauen auf der Ebene der Berufsgruppen und die Veröffentlichung der Ergebnisse auf den nationalen WageIndicator-Webseiten aller 28 EU-Mitgliedsstaaten und der Türkei, sowie die Verbreitung durch Pressemitteilungen.

Weitere Informationen zum WITA-Projekt finden Sie unter

Weitere Informationen zu geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden in Deutschland finden Sie unter WageIndicator.de